Janine, 31 – Die Gene halt. Brustkrebs.

Die Gene halt…

Ehrlich gesagt hab ich immer gewusst, dass es kommt. Mama hatte es, Tante Susanne hatte es, Oma hatte es. Das ist halt unsere Familie. Ich hab mit Ende zwanzig sogar schon mal mit dem Arzt darüber gesprochen, wann man anfängt, das engmaschiger zu kontrollieren. Also war ich vorbereitet – theoretisch zumindest.
Und dann sitzt du trotzdem in diesem Zimmer und jemand sagt: Sie haben Krebs. Okay dachte ich – jetzt schon. Das hat mich doch ein wenig getroffen. Schließlich waren alle älter, als sie die Diagnose erhalten haben. Trotz des Alters war ich gefasst. Ich hatte keine Panik. Ich denke, weil ich es erwartet habe und schon immer dieses Thema in meiner Familie präsent war.

Was mich mehr mitgenommen hat als der Befund selbst, war das Gesicht von meiner Mutter. Die kennt das ja. Die weiß genau, was jetzt kommt, jede Übelkeit, jeden schlechten Tag, jeden Moment wo man nicht mehr weiß wohin mit sich. Und sie musste das jetzt bei mir sehen. Das war das Schlimmste eigentlich. Und Papa regelt alles was er regeln kann. Fährt mich in die Klinik, bezahlt und untersützt mich finanziell und er fragt nicht viel. Das ist seine Art. So ist er eben.

Chemotherapie und Operation

Aktuell läuft die Chemo. Ich vertrage sie besser als viele, das sagen auch die Ärzte. Ich vermute das es daran liegt, dass ich noch sehr jung bin. Trotzdem ist es halt kein Spaß. Du bist müde auf eine Art, die du vorher nicht kanntest. Nicht schläfrig – einfach leer. Und dann kommen die Tage wo es besser wird, und du denkst, okay, das geht, und dann kommt die nächste Runde.

Meine Haare sind schon weg. Meine Augenbrauen und Wimpern werden weniger. Das klingt banal, aber das trifft mich tatsächlich. Man sieht einfach krank aus und der Blick in den Spiegel ist echt nicht einfach.

Nach der Chemo kommt die OP. Der Krebs muss raus und dann lasse ich gleich beide Brüste machen. Silikon. Ich hab lange gebraucht um zu verstehen, dass mich das eigentlich nicht so trifft wie ich dachte. Irgendwann hab ich einfach gedacht – das Risiko bleibt sonst. Also weg damit. Ich bau mir neue. Eine Freundin hat mich so komisch angeschaut als ich das gesagt hab, aber ich hab das so gemeint. Nicht mutig, einfach pragmatisch. Ich will das ehrlich nicht noch einmal machen. Ich bin halt so.

Kämpferin – eher nein.

Ich find dieses Kämpfer-Ding ein bisschen anstrengend, muss ich sagen. Alle wollen, dass du kämpfst und stark bist und das irgendwie bedeutungsvoll findest. Ich mach einfach was dran ist. Termin, Infusion, schlafen, aufstehen. Und dazwischen lebe ich halt normal, soweit das geht. Freundinnen treffen, lachen, Blödsinn reden. Das Leben läuft weiter. Meins jedenfalls.
Ich glaube durch die Jahre und das Miterleben in der Familie machen es für mich ein Stück normal.

März, 2026 – Raum Stuttgart

„Schönheit hat eine neue Form“
Janine

FAQs

Angst, dass der Krebs wieder kommt – was nun?

Eine Angst, die du lernst zu akzeptieren. Diese Angst ist nicht dein Feind.
Sie sagt: "Geh regelmäßig zur Kontrolle." "Höre auf deinen Körper" "Lass uns den Körper frühzeitig untersuchen." "Ich bin etwas besonderes, weil ich dir helfen will."

Wir verbinden Angst immer mit etwas schlechtem. Dabei ist Angst ein Zeichen dafür, dass wir auf uns hören.
Die Angst, dass der Krebs wiederkommt, kennen viele Betroffene.
Sie kann laut sein, plötzlich auftauchen und besonders vor Kontrollterminen alles wieder hochholen.

Lass sie zu, aber lass sie niemals die Kontrolle übernehmen.

Viele Betroffene berichten, dass ihnen hilft:

  • offen über ihre Gefühle und Ängste zu sprechen
  • sich Schritt für Schritt auf die nächsten Behandlungsschritte zu konzentrieren
  • Unterstützung durch Familie, Freunde oder Beratungsstellen anzunehmen

Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben.
Mut bedeutet, sie zuzulassen.

Wo finde ich Unterstützung nach der Krebsdiagnose?

Es gibt viele Anlaufstellen, die dir in dieser schwierigen Zeit Unterstützung bieten. Nutze vor allem auch die regionalen Angebote vor Ort. Hier lernst du Menschen kennen, denen es ähnlich geht. Und gemeinsam ist es im Leben eben ein bisschen leichter.

Es gibt viele Angebote, die du nutzen kannst:

  • Krebsberatungsstellen (vor allem regional gibt es viele Angebote)
  • psychoonkologische Unterstützung (Frage gerne in deiner Klinik nach Kontakten)
  • Selbsthilfegruppen (liegen oft als Flyer in Kliniken aus)
  • Online-Communities für Betroffene (Auch online findest du Austausch - Achte dabei aber auf seriöse Quellen und darauf, was dir wirklich guttut.)

Du bist nicht alleine.

Darf ich während der Krebs-Therapie schwach sein?

Ja. Krebsbehandlungen können körperlich und emotional sehr anstrengend sein. Es ist völlig in Ordnung, Tage zu haben, an denen du erschöpft bist, dich zurückziehen möchtest oder einfach keine Kraft hast.

  • Dein Körper arbeitet hart – gib ihm Ruhe & Zeit.
  • Du darfst körperlich und emotional schwach sein.
  • Du darfst müde sein.
  • Du darfst traurig, wütend oder überfordert sein.
  • Du darfst Pausen brauchen.
  • Du darfst Hilfe annehmen.

Schwäche ist keine fehlende Stärke - sie ist ein Teil davon.

Wie sage ich meiner Familie oder meinen Freunden von der Diagnose?

Viele Betroffene haben Angst vor diesem Gespräch. Oft hilft es, ehrlich und ruhig zu erklären, was man selbst bereits weiß. Du kannst auch sagen, dass du noch nicht auf alle Fragen eine Antwort hast. Familie und Freunde möchten meist helfen – manchmal wissen sie nur nicht wie.

Wie gehe ich mit der Angst bei Krebs um?

Angst ist eine natürliche und wichtige Reaktion.
Vielen hilft es:

  • offen über ihre Gefühle zu sprechen
  • sich gut über die Erkrankung zu informieren
  • kleine Ziele für den Alltag zu setzen
  • Unterstützung von Psychoonkologen oder Selbsthilfegruppen anzunehmen
  • mit Menschen reden, bei denen man einfach sein darf

Die Angst darf ein Teil von Dir sein. Aber sie darf nicht führen.

Ich habe gerade die Diagnose Krebs bekommen – was jetzt?

Die Diagnose nimmt vielen von uns den Boden unter den Füßen.
Für einen Moment ist das Leben surreal.
Wir fühlen uns überfordert, haben Angst und ein großes Fragezeichen, wenn wir an unsere Zukunft denken. Das ist völlig normal.
Du musst diesen Weg nicht alleine gehen. Sprich mit Menschen, die dir nahe stehen. Stelle Fragen an dein Behandlungsteam und hole dir die Unterstützung deiner Familie und deinen Freunden. Gemeinsam fühlt es sich leichter an.

Schritt für Schritt entsteht ein Weg.