
Michi & Falko – Das war nicht der Plan.
Die Reise, die wir nie geplant hatten
Als du mich damals weinend angerufen und mir gesagt hast, dass unsere lang geplante Reise nicht stattfinden kann, war ich zunächst einfach nur enttäuscht. Wir hatten uns so darauf gefreut. Doch dann kam im selben Satz die Erklärung: Du hast Krebs.
Plötzlich war alles anders.
Ich konnte meine Gefühle gar nicht mehr sortieren. Wie kann das sein? Das kann nicht sein!
Wir hatten uns doch gerade erst wiedergefunden – nach so vielen Jahren.
Wir hatten noch so viele Pläne, so viele gemeinsame Erlebnisse vor uns.
Die Gedanken überschlugen sich. Es war unmöglich, die neue Route zu begreifen, die das Leben für dich vorgesehen hatte.
Im Büro konnte ich keinen klaren Gedanken mehr fassen. Eigentlich wollte ich nur noch nach Hause. Irgendwie bei dir sein. Dich auffangen. Dir Gepäck abnehmen. Irgendetwas tun. Der restliche Arbeitstag verging wie im Nebel.
Doch auch als wir zu Hause zur Ruhe kamen, konnten wir nicht begreifen, wohin die Reise nun führen würde. Falko und ich sprachen lange über Remón und die Kinder. Wie sollte es für euch weitergehen? Wie ging es euch gerade? Die Sorgen wurden immer größer, je weiter wir in Gedanken vorausgingen.
Remón
Dieser Gedanke traf uns mit voller Wucht. Nein! Das darf nicht sein! Das kann doch niemanden zweimal im Leben treffen. Tränen. Wut. Frust. Hilflosigkeit.
In diesem Moment wurde uns klar, dass unsere geplante Reise zwar ausfallen würde- du aber stattdessen zu einer Reise aufbrechen musstest, auf die niemand freiwillig geht.
Und immer wieder dieselbe Frage: Was können wir tun? Wie können wir euch auf dieser Strecke begleiten?
250 Kilometer entfernt zu sein, fühlte sich unerträglich an. Sollten wir sofort losfahren? Sollten wir warten?
Unsere Köpfe waren nur noch ein einziges Chaos.
Dann kamen die Gespräche mit dir über Dinge, über die niemand sprechen möchte. Die Bitte, uns um die Kinder und um Remón zu kümmern, falls deine Reise eine unerwartete Richtung einschlagen sollte. Die Nachricht, dass du deine Haare verlieren würdest. Diese Momente haben uns gezeigt, wie machtlos man sich als Freunde fühlen kann.
Man möchte kämpfen, tragen, beschützen – und muss oft einfach nur zusehen, daneben hergehen.
Gemeinsam
Umso wertvoller war die Zeit, die du während deiner Chemotherapie zeitweise bei uns verbracht hast.
Sie war schön. Unglaublich schön.
Schön, weil wir eines kleines Stück deiner Reise mit dir gehen konnten. Schön, weil wir für dich da sein durften. Schön, weil wir helfen durften. Und vielleicht hat uns genau das auch selbst geholfen – das Gefühl, nicht völlig hilflos zu sein, nicht nur am Wegesrand zu stehen.
Danke, dass du unsere Hilfe angenommen hast.
Du warst in dieser Zeit so stark. Und diese Stärke hat abgefärbt. Auf uns alle. Du hast uns mitgenommen auf diese schwere Reise, hast uns teilhaben lassen an deinen Ängsten, deinen Kämpfen, aber auch an deinen kleinen und großen Etappen-Siegen.
Stolz
Wir sind unglaublich stolz auf dich.
Stolz darauf, wie du diesen Weg gegangen bist. Stolz darauf, dass du niemals aufgehört hast zu kämpfen. Und dankbar, dass wir ein kleiner Teil dieses Weges sein durften.
Diese Reise geht nun hoffentlich ihrem Ende entgegen.
Nicht, weil das Ziel erreicht ist, sondern weil die schwerste Strecke hinter dir liegt.
Wir freuen uns auf die Reisen, die vor uns liegen: auf gemeinsame Jahre, auf Urlaube, auf spontane Besuche und all die Erinnerungen, die wir noch schaffen werden.
Denn eines haben wir gelernt: Zeit ist kostbar.
Und die fünf Jahre, die wir vorher verloren haben, holen wir jetzt nach. Schritt für Schritt, Kilometer für Kilometer.
Michi & Falko – Mai 2026

” Zeit ist kostbar”
FAQs
Angst, dass der Krebs wieder kommt – was nun?
Eine Angst, die du lernst zu akzeptieren. Diese Angst ist nicht dein Feind.
Sie sagt: "Geh regelmäßig zur Kontrolle." "Höre auf deinen Körper" "Lass uns den Körper frühzeitig untersuchen." "Ich bin etwas besonderes, weil ich dir helfen will."
Wir verbinden Angst immer mit etwas schlechtem. Dabei ist Angst ein Zeichen dafür, dass wir auf uns hören.
Die Angst, dass der Krebs wiederkommt, kennen viele Betroffene.
Sie kann laut sein, plötzlich auftauchen und besonders vor Kontrollterminen alles wieder hochholen.
Lass sie zu, aber lass sie niemals die Kontrolle übernehmen.
Viele Betroffene berichten, dass ihnen hilft:
- offen über ihre Gefühle und Ängste zu sprechen
- sich Schritt für Schritt auf die nächsten Behandlungsschritte zu konzentrieren
- Unterstützung durch Familie, Freunde oder Beratungsstellen anzunehmen
Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben.
Mut bedeutet, sie zuzulassen.
Wo finde ich Unterstützung nach der Krebsdiagnose?
Es gibt viele Anlaufstellen, die dir in dieser schwierigen Zeit Unterstützung bieten. Nutze vor allem auch die regionalen Angebote vor Ort. Hier lernst du Menschen kennen, denen es ähnlich geht. Und gemeinsam ist es im Leben eben ein bisschen leichter.
Es gibt viele Angebote, die du nutzen kannst:
- Krebsberatungsstellen (vor allem regional gibt es viele Angebote)
- psychoonkologische Unterstützung (Frage gerne in deiner Klinik nach Kontakten)
- Selbsthilfegruppen (liegen oft als Flyer in Kliniken aus)
- Online-Communities für Betroffene (Auch online findest du Austausch - Achte dabei aber auf seriöse Quellen und darauf, was dir wirklich guttut.)
Du bist nicht alleine.
Darf ich während der Krebs-Therapie schwach sein?
Ja. Krebsbehandlungen können körperlich und emotional sehr anstrengend sein. Es ist völlig in Ordnung, Tage zu haben, an denen du erschöpft bist, dich zurückziehen möchtest oder einfach keine Kraft hast.
- Dein Körper arbeitet hart – gib ihm Ruhe & Zeit.
- Du darfst körperlich und emotional schwach sein.
- Du darfst müde sein.
- Du darfst traurig, wütend oder überfordert sein.
- Du darfst Pausen brauchen.
- Du darfst Hilfe annehmen.
Schwäche ist keine fehlende Stärke - sie ist ein Teil davon.
Wie sage ich meiner Familie oder meinen Freunden von der Diagnose?
Viele Betroffene haben Angst vor diesem Gespräch. Oft hilft es, ehrlich und ruhig zu erklären, was man selbst bereits weiß. Du kannst auch sagen, dass du noch nicht auf alle Fragen eine Antwort hast. Familie und Freunde möchten meist helfen – manchmal wissen sie nur nicht wie.
Wie gehe ich mit der Angst bei Krebs um?
Angst ist eine natürliche und wichtige Reaktion.
Vielen hilft es:
- offen über ihre Gefühle zu sprechen
- sich gut über die Erkrankung zu informieren
- kleine Ziele für den Alltag zu setzen
- Unterstützung von Psychoonkologen oder Selbsthilfegruppen anzunehmen
- mit Menschen reden, bei denen man einfach sein darf
Die Angst darf ein Teil von Dir sein. Aber sie darf nicht führen.
Ich habe gerade die Diagnose Krebs bekommen – was jetzt?
Die Diagnose nimmt vielen von uns den Boden unter den Füßen.
Für einen Moment ist das Leben surreal.
Wir fühlen uns überfordert, haben Angst und ein großes Fragezeichen, wenn wir an unsere Zukunft denken. Das ist völlig normal.
Du musst diesen Weg nicht alleine gehen. Sprich mit Menschen, die dir nahe stehen. Stelle Fragen an dein Behandlungsteam und hole dir die Unterstützung deiner Familie und deinen Freunden. Gemeinsam fühlt es sich leichter an.
Schritt für Schritt entsteht ein Weg.


