
Eaven, 12 – Mama hat Krebs.
Mama hat Krebs.
Ich war in der Schule, irgendwas mit Mathe oder so, als meine Schwester einfach reinkam. Mitten in der Stunde einfach so. Das macht man nicht. Man kommt nicht einfach so in den Unterricht rein. Auf dem Heimweg hat sie nichts gesagt. Ich hab gefragt was los ist und sie meinte nur, Mama erklärt’s mir. Da wusste ich schon dass es Scheiße ist. So ein komisches Gefühl im Bauch.
Zu Hause war Mama auf der Terrasse. Papa auch. Alles war irgendwie komisch ruhig. Und dann hat Mama angefangen zu weinen. Nicht ein bisschen. Richtig. Ich hab Mama noch nie so weinen sehen. Nicht vor mir.
Dann hat sie gesagt: „Ich hab Krebs. Aber ich schaff das.“
Ich hab einfach nur geschrien. Nein nein nein. Weiß nicht warum, kam einfach raus. Und dann hab ich auch geweint, so richtig bitterlich, ich konnte gar nicht aufhören. Dieses Wort. Krebs. Das sollte nicht zu meiner Mama gehören.
Sie hat mich in den Arm genommen obwohl sie selbst geweint hat. Und sie hat gesagt dass sie es schafft. Daran hab ich mich irgendwie festgehalten seitdem.
Jetzt ist halt vieles anders. Mama hat Chemo. Manchmal liegt sie danach einfach auf dem Sofa und schläft fast. Manchmal ist ihr schlecht. Sie redet weniger. Das ist total komisch weil Mama sonst immer irgendwas macht, irgendwo ist, sich um alles kümmert.
Ich helf jetzt mehr. Ich frag ob sie was braucht. Ich hol ihr Wasser oder eine Decke. Manchmal sagt sie nein, dann bleib ich halt trotzdem kurz da. Ich sag ihr auch dauernd, dass ich sie liebe. Also wirklich dauernd. Wenn ich nach Hause komme, wenn sie auf dem Sofa liegt, bevor ich ins Bett geh. Einfach so zwischendurch. Ich glaub ich will einfach sicher gehen dass sie’s weiß.
Wir reden zu Hause über alles. Mama erklärt mir auch Sachen. Sie fragt mich jeden Tag wie’s mir geht.
Manchmal sag ich „gut“ obwohl’s nicht stimmt. Weil ich Angst hab. Angst dass die Chemo nicht hilft. Angst dass sie nicht gesund wird. Angst vor… ich weiß nicht. Einfach Angst. Aber das sag ich nicht immer laut, ich will ja nicht dass Mama noch trauriger wird.
Sie merkt’s meistens trotzdem. Dann fragt sie nochmal. Oder nimmt mich einfach in den Arm ohne was zu sagen.
Ich find Mama stark. Nicht weil sie nicht weint. Sondern weil sie weint und trotzdem weitermacht. Weil sie so müde ist und trotzdem fragt wie mein Tag war. Weil sie krank ist und trotzdem einfach Mama bleibt.
Ich hoff einfach so sehr dass sie’s schafft.
Anmerkung April 2026 von Eaven: Sie hat’s geschafft. Der Krebs ist weg. Ich hab noch ein bisschen Angst, aber das wird weniger. Dieses Jahr fahren wir zusammen zur gamescom nach Köln, nur wir zwei. Ich freu mich riesig darauf.
FAQs
Angst, dass der Krebs wieder kommt – was nun?
Eine Angst, die du lernst zu akzeptieren. Diese Angst ist nicht dein Feind.
Sie sagt: "Geh regelmäßig zur Kontrolle." "Höre auf deinen Körper" "Lass uns den Körper frühzeitig untersuchen." "Ich bin etwas besonderes, weil ich dir helfen will."
Wir verbinden Angst immer mit etwas schlechtem. Dabei ist Angst ein Zeichen dafür, dass wir auf uns hören.
Die Angst, dass der Krebs wiederkommt, kennen viele Betroffene.
Sie kann laut sein, plötzlich auftauchen und besonders vor Kontrollterminen alles wieder hochholen.
Lass sie zu, aber lass sie niemals die Kontrolle übernehmen.
Viele Betroffene berichten, dass ihnen hilft:
- offen über ihre Gefühle und Ängste zu sprechen
- sich Schritt für Schritt auf die nächsten Behandlungsschritte zu konzentrieren
- Unterstützung durch Familie, Freunde oder Beratungsstellen anzunehmen
Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben.
Mut bedeutet, sie zuzulassen.
Wo finde ich Unterstützung nach der Krebsdiagnose?
Es gibt viele Anlaufstellen, die dir in dieser schwierigen Zeit Unterstützung bieten. Nutze vor allem auch die regionalen Angebote vor Ort. Hier lernst du Menschen kennen, denen es ähnlich geht. Und gemeinsam ist es im Leben eben ein bisschen leichter.
Es gibt viele Angebote, die du nutzen kannst:
- Krebsberatungsstellen (vor allem regional gibt es viele Angebote)
- psychoonkologische Unterstützung (Frage gerne in deiner Klinik nach Kontakten)
- Selbsthilfegruppen (liegen oft als Flyer in Kliniken aus)
- Online-Communities für Betroffene (Auch online findest du Austausch - Achte dabei aber auf seriöse Quellen und darauf, was dir wirklich guttut.)
Du bist nicht alleine.
Darf ich während der Krebs-Therapie schwach sein?
Ja. Krebsbehandlungen können körperlich und emotional sehr anstrengend sein. Es ist völlig in Ordnung, Tage zu haben, an denen du erschöpft bist, dich zurückziehen möchtest oder einfach keine Kraft hast.
- Dein Körper arbeitet hart – gib ihm Ruhe & Zeit.
- Du darfst körperlich und emotional schwach sein.
- Du darfst müde sein.
- Du darfst traurig, wütend oder überfordert sein.
- Du darfst Pausen brauchen.
- Du darfst Hilfe annehmen.
Schwäche ist keine fehlende Stärke - sie ist ein Teil davon.
Wie sage ich meiner Familie oder meinen Freunden von der Diagnose?
Viele Betroffene haben Angst vor diesem Gespräch. Oft hilft es, ehrlich und ruhig zu erklären, was man selbst bereits weiß. Du kannst auch sagen, dass du noch nicht auf alle Fragen eine Antwort hast. Familie und Freunde möchten meist helfen – manchmal wissen sie nur nicht wie.
Wie gehe ich mit der Angst bei Krebs um?
Angst ist eine natürliche und wichtige Reaktion.
Vielen hilft es:
- offen über ihre Gefühle zu sprechen
- sich gut über die Erkrankung zu informieren
- kleine Ziele für den Alltag zu setzen
- Unterstützung von Psychoonkologen oder Selbsthilfegruppen anzunehmen
- mit Menschen reden, bei denen man einfach sein darf
Die Angst darf ein Teil von Dir sein. Aber sie darf nicht führen.
Ich habe gerade die Diagnose Krebs bekommen – was jetzt?
Die Diagnose nimmt vielen von uns den Boden unter den Füßen.
Für einen Moment ist das Leben surreal.
Wir fühlen uns überfordert, haben Angst und ein großes Fragezeichen, wenn wir an unsere Zukunft denken. Das ist völlig normal.
Du musst diesen Weg nicht alleine gehen. Sprich mit Menschen, die dir nahe stehen. Stelle Fragen an dein Behandlungsteam und hole dir die Unterstützung deiner Familie und deinen Freunden. Gemeinsam fühlt es sich leichter an.
Schritt für Schritt entsteht ein Weg.


